Invalidenstrasse

Weiter geht es an der Auguststrasse!

Folgendes sind Brigittes Gedanken in Textform:

Ich weiß noch 1975 habe ich hier an der Invaliden Straße Familie Liftin geholfen aus der DDR zu flüchten.
Dieser Fluchtversuch war glaub ich der spektakulärste in meiner Geschichte als Fluchthelferin. Mein Vater hat in einer unser vielen Diskussionen über die DDR erwähnt das man die Grenze einfach mit einem Auto durchbrechen sollte. Aus dieser Bemerkung wurde ein paar Monate später dann ein ausgeklügelter Fluchtplan der dank Peter auch klappen sollte.
Am 13.3.1975 reiste ich zur Familie Liftin in die Schwarzkopff Straße 16,dort packten wir ihr Hab und gut in den roten Opel den wir auch den roten Panzer nannten.
Wir hatten Wochen lang an dem Auto rumm gebastelt bis wir uns sicher waren das es keine ungeschützte Stelle mehr gab. An der Windschutzscheibe hatten wir eine 4,5 Millimeter dicke Panzerplatte angebracht weshalb wir den Wagen bis kurz vor die Grenze lotsen mussten.
An dem Grenzübergang angekommen stiegen alle ein und los ging die Höllenfahrt. Nachdem die Grenzwächter bemerkt hatten das wir nicht vor hatten stehen zu bleiben vielen ziemlich schnell Schüsse. Ich konnte sehen wie sich die Patronen vor mir in die Platte bohrten aber unsere Berechnungen stimmten es kam kein Geschoss durch. Den Todesstreifen hatten wir schon passiert als das Auto plötzlich langsamer wurde und kurz vor der Mauer schließlich stehen blieb. Totenstille im roten Panzer von hinten kam ein Grenzwächter laut rufend gerannt. Ein paar Sekunden später wurde die Beifahrertür aufgerissen es war Peter er guckte total erstaunt in mein Gesicht und sagte in einem ganz ruhigen Ton tu so als hättest du eine Pistole und führ mich an die Tür dort in der Mauer.
Ohne nach zu denken befolgte ich seine Anweisungen und hielt ihm meine Hand in den Rücken mit Familie Liftin im Schlepptau ging ich zu Tür. Um mich herum war es still alle warteten auf den nächsten Schritt. Nach einem gefühlten Kilometer waren wir endlich an der Tür angekommen ich ließ sie Peter und Herr Liftin öffnen. Kaum war sie offen schlüpften wir auch schon durch die Tür Peter stieß ich nach seiner Anweisung zurück und guckte ein letztes mal in sein Gesicht dann schlossen wir die Tür und um uns herum brach die Hölle los.
Es war mein letzter Einsatz,1973 hatte ich inspiriert durch einen misslungenen Fluchtversuch angefangen zu helfen. Diese zwei Jahre waren die aufregendsten meines ganzen Lebens gewesen leider mit einem abrupten und traurigen Ende Peter sah ich bis heute nicht wieder aber man munkelte das er in den Knast kam. Noch heute mach ich mir Vorwürfe das ich in damals nicht einfach in den sicheren Westen gezogen habe.

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